Weshalb wettbewerbswidrige Praktiken bei der Softwarelizenzierung ein Problem darstellen
Äußere Einflüsse wie die Corona-Pandemie und andere globale Faktoren gestalten den Wirtschaftskosmos massiv um. Unternehmen beschleunigen angesichts dieser Herausforderungen ihre Pläne zur Softwaremigration von lokalen Servern hin zu Cloud-Diensten. Sie möchten dadurch die Gemeinkosten senken, ihre Business-Optionen verbessern und die Cybersicherheit erhöhen. Diese Verlagerung in die Cloud bringt den Kunden große Vorteile, sie wird jedoch von einigen etablierten Softwareanbietern, die sich als Hüter der digitalen Transformation etabliert haben, als geschäftsschädigend wahrgenommen.
Unternehmen greifen in der Regel auf einige wenige Softwareunternehmen zurück, die ihnen Produktivitäts-, Kollaborations- und Kommunikationstools, Datenbanken und Kernbetriebssysteme zur Verfügung stellen. Da nun immer mehr Unternehmen auf Cloud-Services umsteigen, setzen einige Softwareanbieter restriktive Lizenzierungspraktiken ein. Auf diese Weise nutzen sie ihre Position als Gatekeeper aus, drosseln die Entwicklung von Brancheninnovationen, schränken ihre Kunden bei der Softwareauswahl ein und erzwingen einen sich steigernden Kostenrahmen für deren digitale Transformation.
Auch wenn sich diese restriktiven Auswirkungen von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich gestalten, gleichen sich die häufigsten Szenarien:
- Verwendung restriktiver und nicht verhandelbarer Lizenzbedingungen, die es Kunden verbieten, Unternehmenssoftware (z. B. Softwaresuiten mit Produktivitätssoftware), die sie für die lokale Verwendung bezahlt und genutzt haben, beim Cloud-Anbieter ihrer Wahl zu verwenden
- Zwang, lizenzierte Software auf spezieller Hardware zu betreiben, was die Betriebskosten erhöht und die Effizienz alternativer Cloud-Anbieter verringert
- Zwangsbindung von Rabatten für Software-Massenlizenzen an den Kauf der Cloud-Dienste des gleichen Softwareanbieters
- Änderung der Bedingungen von Kundenverträgen durch die Verwendung von außervertraglicher Dokumentation
- Anwendung der Verdrängungstaktik „ABC – Audit, Bargain, Close“, um Kunden an die bestehenden Cloud-Dienste zu binden
Unabhängig davon, welche dieser Praktiken zum Einsatz kommt, ist das Ergebnis identisch: Unternehmenskunden bleiben nur noch begrenzte Möglichkeiten bei der Umsetzung ihrer Cloud-Migration. Die Folgen sind steigende Lizenzkosten sowie eine Einschränkung des Wettbewerbs, der Innovationskraft des Marktes und der Angebotsentwicklung von Cloud-Services. Anstatt ihre Unternehmen durch die digitale Transformation zukunftsfähig zu machen und ihre betriebliche Stabilität zu festigen, müssen CIOs und CTOs immense Zeit und Energie darauf verwenden, sich mit übermäßig restriktiven, komplizierten und undurchsichtigen Softwarelizenzierungsoptionen zu beschäftigen.
Eine internationale Bewegung
Die Coalition for Fair Software Licensing (CFSL) ist Teil einer großen Bewegung. Sie macht durch ihre Arbeit öffentlich auf die Bedeutung fairer und transparenter Softwarelizenzierungsbedingungen für Cloud-Dienste aufmerksam und informiert über die Negativfolgen restriktiver Geschäftspraktiken auf das Branchenwachstum, Entwicklungschancen, IT-Investitionen und IT-Sicherheit.
Die von der CFSL mitgetragenen Leitlinien/Grundsätze für faire Softwarelizenzierung wurden erstmals im April 2021 in Frankreich ins Leben gerufen – in Zusammenarbeit von CISPE (dem Verband der Cloud-Infrastrukturdienstleister in Europa) und CIGREF (einem CIO-Verband, das über 150 französische Unternehmen vertritt, darunter die größten an der Pariser Börse Euronext notierten Unternehmen). Seitdem haben die Leitlinien/Grundsätze für faire Softwarelizenzierung breite Unterstützung erhalten: von Interessensvertretern, die Cloud-Service-Startups und deren Risikokapitalgeber repräsentieren ebenso wie CIOs und Geschäftskunden in der gesamten EU, Großbritannien und in Israel. Die Koalition treibt ihr Engagement parallel zu diesen Aktivitäten von Europa ausgehend in Nordamerika voran und hat sich zum Ziel gesetzt, die aktuellen Geschäftsgepflogenheiten durch die Übernahme fairer Lizenzierungspraktiken zu verändern.
